Freitag, 30. Mai 2014

Rügen 2014 - Operation Heuwiese

Heute ist die letzte Etappe unserer Rügentour angesetzt. Von Schaprode nach Stralsund soll es gehen. Die Sonne scheint. Einziges Manko: der Wind dem wir in Glowe ausgewichen sind, hat von Nordost auf wiederum auflandige Westrichtung gedreht. Die Windstärke soll aber mit gemäßigten 30 km/h relativ konstant bleiben sagt die Windfinder-App. Also rein in die Boote und los. Es wird unsere härteste und eindrücklichste Tour der Rügenfahrt werden.

Wir Fahren die Küste von Ummanz ab. Auf Grund der riesigen Flachwasserbereiche ist das dortige  Ostseecamp Suhrendorf ein Eldorado für die windgetriebenen Wassersportler. Und so teilen wir uns bald das Wasser mit Wind- und Kitesurfern die zum Teil recht spektakuläre Aktionen vor und zwischen unseren Booten vollführen. Herrlichste Bedingungen machen das Fahren zum Vergnügen.

Wir machen eine letzte Rast und da der Wind entgegen aller Vorhersagen merklich aufgefrischt ist, beratschlagen wie wir wohl am Besten den Kubitzer Bodden überqueren um in den Strelasund zu gelangen. Die ganz sichere Variante ist das Ausfahren des Küstenlinie. Die kürzeste Verbindung spart uns jedoch 18 Kilometer. Wir wählen diese Variante auch vor dem Hintergrund mit dem Wind im Rücken in den Bodden flüchten zu können. Allerdings gibt es auch die Überlegung gegen den Wind unter Land auf die Stralsunder Seite zu flüchten, denn von hinten auflaufende Wellen sind durchaus auch eine Herausforderung.

Wir passieren die Heuwiese als letzte Landmarke bevor es auf die offene Wasserfläche geht. Lars macht Tempo. Die Gruppe verteilt sich auf ca. 200 m Länge und Breite.  Dann geht alles ganz schnell. Wir finden uns in heftig wogendem Wasser gepaart mit kräftigem Wind wieder. Der Tross fährt weiter, schafft es aber nicht sich zusammenzuziehen. Die Wellenhöhe nimmt weiter zu. Wir müssen eine Entscheidung treffen denn diese Wellen parallel zu fahren ist für uns eine Nummer zu groß. Absprachen müssen jetzt blind klappen und: sie funktionieren nicht. Der Nebenmann ist auch bei nur knapp 20 m Abstand nicht mehr zu verstehen.Während Lars, Steffen, Thomas und Moppie in süd-südöstlicher Richtung in den Bodden eindrehen, entschließen sich die am Schluss fahrenden Martin und Heiko in west-südwestlicher Richtung gegen den Wind unter Land zu kommen.

Was dann folgt dürften dann wohl getrost als Feuertaufe für das Seekayakfahren gewertet werden. Beide Strecken werden uns auf 8 km Länge fordern. Der Wind scheint weiter zuzunehmen. Die Wellen brechen. Gischt spritzt uns ins Gesicht. Während die Boddenfahrer mit den Wellen surfen, kämpfen Martin und Heiko gegen den Wind. Beides stellt eine eigene Herausforderung dar. Beim Surfen tauchen die vorderen Bootskörper der Kayaks tief ab und die Geschwindigkeit nimmt so enorm zu, das einem Himmel,  Angst und Bange werden könnte. Jeder entwickelt seine Technik um den Wellen Herr zu werden. Paddelstütze, ein paar Schläge in die gewünschte Richtung. Doch das Kurs halten fällt schwer stehen doch die Steuerblätter bei diesem Wellengang ständig in der Luft.

In der anderen Richtung kämpfen Martin und Heiko in den gut 1,50 m hohen Wellen. Das Ufer kommt nur unmerklich näher. Der Wind treibt die Boote vom eigentlichen Kurs ab. Aber zum Glück dient ein Kirchturm am Horizont um die Peilung zu halten. Martin und Heiko fahren im Abstand von 10-30 m auseinander. Die Wellen sind so hoch, dass sich die beiden nicht sehen können wenn einer von Ihnen gerade im Wellental ist. Konzentriert fahren, dreißig Grad die Wellen schneiden und nicht die Nerven verlieren. Die salzige Gischt vom durchtauchen der Wellen macht den Mund trocken. Das Trinksystem ruht im Heck. Es hervorzuholen absolut unmöglich. Als beide die Fahrrinne kreuzen, sehen sie wohl noch so souverän aus, dass die Besatzungen der Segelboote freundlich grüßen statt Hilfe anzubieten. Hier stellt sich die Frage, selbst um Hilfe bitten oder weiterfahren. Keiner fragt. Dennoch schießen Gedanken durch den Kopf: Wie geht es den anderen? Was passiert wenn einer kentert? Zwar haben wir das gegenseitige "Wiederinsboothelfen" und auch den alleinigen Einstieg mit Paddelfloat unter Schwimmhallenbedingungen geübt, aber in diesen Wellen erscheint dies völlig unmöglich.

Die Ostsee gönnt uns auf beiden Seiten keine Pause. Ein kurzes abflauen des Windes wird darauf mit noch einmal höheren Wellen "belohnt". Die Kräfte schwinden. Über ein Stunde geht der Kampf. Aber trotz dessen, dass alle einige kritische Situationen haben, bei denen sie in letzter Sekunde die Kenterung verhindern, kommt das Ufer näher und mit ihm werden die Wellen flacher.

Fast zeitgleich wählen die Trupps die Telefonnummer des jeweils Anderen. Erleichterung. Alle wohlauf. Alles Helden. Das logistische Problem, das ein Trupp auf Rügen sitzt und den Autoschlüssel hat, während Martin und Heiko noch bis Stralsund durchfahren ist gemessen an den bestandenen Herausforderungen nur ein Klacks.

Man soll seinen Urlaub ja so planen, dass er von der Erlebnisseite her dramaturgisch zunimmt. Wenn auch ungewollt haben wir mit unserer Rügentour 2014 in dieser Hinsicht einen Volltreffer gelandet. Das eigentliche Ziel Rügen zu umrunden wurde zwar nicht erreicht, aber der Leitsatz von uns freudbetonten Wasserwanderern spricht für sich: Der Weg ist das Ziel!

Donnerstag, 29. Mai 2014

Rügen 2014 - Die Sonne lacht

Wie jeden morgen starten wir mit einem ausgiebigem Frühstück in den Tag. Frische Brötchen und ein heißer Kaffee sind eine gute Grundlage den Tag zu planen und dieses und jenes zu diskutieren. Auch das Abendbrot ist immer eine gesellige Runde und wenn wir selbst kochten entpuppte sich so mancher Kanute als brauchbarer Koch.

Heute fahren wir von Breege nach Schaprode. Herrlichstes Wetter. Der Wind hat nachgelassen. Er wird unsere Tour heute erheblich beschleunigen bläst er doch genau in unsere Richtung.

Einige verausgaben sich und fahren ein sportliches Tempo. Heute macht das Spaß. An der Wittower Fähre kreuzt die historische Rügenrallye unseren Weg. Alles schicke Oldtimer. Sowohl Auto als auch Motorräder blinken herausgeputzt in der Sonne.

Kurz vor dem Ziel passiert Lars das, was einem Kanuten niemals passieren darf. Bei der Beschäftigung mit seiner Hopfenkaltschale verliert er sein Paddel. Das dies von den "hilfsbereiten" Paddelkollegen zur eigen Belustigung schamlos ausgenutzt wird ist selbstredend.

Irgendwann erreichen wir den Zeltplatz, der uns nun schon zum dritten Mal beherbergen wird. Es war ein entspannter Tag im Bodden.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Rügen 2014 - Vorwärts wir müssen zurück

Noch immer wütet die Ostsee im Hafen von Glowe und so machen wir uns auf den Weg den Bodden zu erkunden. Nach knapp drei Kilometern Wegstrecke stehen wir an einem kleinen Hafen, an dem wir gut mit den Kanus einsetzen können. Der Bodden zeigt sich unter Land lediglich etwas wellig, weiter draußen sind ordentliche Schaumkämme erkennbar.

Der Entschluss ist schnell gefasst: Wir fahren über den Bodden nach Breege von dort nach Schaprode und anschließend nach Stralsund zurück. Es gibt da allerdings noch ein klitzekleines Problem. Wie kriegen wir die Boote samt Gepäck vom Hafen zur Einsatzstelle?

Wir schmieden Pläne wie wir mit unseren zwei Bootswagen und gemieteten Fahrrädern das Umsetzen möglichst schnell bewerkstelligen können. Also ist der erste Anlaufpunkt der örtliche Fahrradverleih. Wir schildern dem freundlichen Inhaber unser Problem und schnell reden wir nicht mehr über das Leihen von Fahrrädern sondern davon die Boote in seinem Transporter umzusetzen. Wir sind uns schnell handelseinig und verabreden uns für 13 Uhr am Hafen.

Drei Boote passen in den Laderaum. Allerdings stehen diese gut 2,50 m über die Ladekante raus und so müssen sich die jeweiligen Inhaber als Gegengewicht auf die Bootsspitze hocken. Eine abenteuerliche Konstruktion die aber selbst auf dem holprigen Waldweg problemlos funktioniert. 

Wir starten mit den Warnungen der Stralsunder Kanuten vor den tückischen Boddengewässern im Gedächtnis und beschließen konsequent in Ufernähe zu fahren. Schnell merken wir jedoch, daß es dort so flach ist und das Boot zu "kleben" beginnt. Beim weiter rausfahren treibt uns der Wind aber weiter in den offenen Bodden als wir wollen. Die von schräg hinten über das Boot laufenden Wellen sind nicht unbedingt Paddlers Liebling und so wird die Boddenfahrt zu einer sehr anspruchsvollen Tour. Man muss eine flache dennoch kraftvolle Paddeltechnik wählen,  da einem sonst schnell die Böen in das Blatt schlagen und man kentern könnte. Wir suchen wieder die ruhigeren Wasserbereiche auf. 

Um in den Hafen von Breege zu kommen müssen wir, die Wellen direkt von hinten, jedoch noch einmal in bewegtes Wasser. Alles geht gut. Unser erster Anlaufpunkt ist der Hafenmeister der uns aber den Seesportverein 500 m südlich empfiehlt. Also müssen wir wieder raus voll in den Wind. Thomas wird abgetrieben und kann erst am Nachbargrundstück anlanden. Lars hat eine falsche schmale Einfahrt genommen und kommt auf Grund der Wellen nicht mehr raus. Steffen ist gleich beim Hafenmeister an Land geblieben und probiert seinen neuen Bootswagen aus. Am Ende liegen alle Boote irgendwie beim Seesportverein und wir kauern unsere Zelte in einer windgeschützten Ecke zusammen. 
Wie zur Belohnung für diesen Ritt durch die Wellen lässt die Wolkendecke einige Sonnenstrahlen zu uns durch. Das tut gut sind wir doch alle ziemlich durchgefroren. 

Dienstag, 27. Mai 2014

Rügen 2014 - Wir sitzen fest

Das es über Nacht windig werden würde war uns allen klar. So wundert es nicht das wir vom Pfeifen der Zeltschnüre geweckt werden. Was sich uns allerdings für ein Anblick bietet als wir uns aus den Schlafsäcken schälen ist beeindruckend. Der mit bis zu 75 Stundenkilometer tobende Wind hat die Ostsee heftigst aufgewühlt. Die Gischt der auflaufenden Wellen schlägt wütend über die Hafenmole. Der Wasserspiegel stieg um 40 cm und eines unserer Boote ist dabei davonzuschwimmen. Die zwei Meter hohen Wellen brechen auch in der offenen Ostsee. Am Steinigen Ufer hören wir die Steine aufeinanderschlagen. Urgewalten. Wir sitzen fest.

Der Hafen hat eine aus massiven Baumstämmen gezimmerte Sitzecke die uns recht gut vor dem Nordostwind schützt. So können wir wenigstens in einigermaßen Ruhe unser Frühstück einnehmen. Wobei Ruhe vielleicht der falsche Begriff für die enorm laute und stetige Mischung aus brechenden Wellen, dem Pfeifen der Seile der Segelboote und dem Rauschen der Bäume ist.

Wir brechen nach dem Frühstück zu einer Wanderung von Glowe zum Königsstuhl, dem berühmten Kreidefelsen, auf. Den landschaftlich viel schöneren Uferweg können wir nicht nehmen und so laufen wir die ersten sechs Kilometer die Straße entlang. Anschließend können wir jedoch durch herrlichen Buchenurwald unseren Weg fortsetzen. Der Wind wirbelt das herumliegende Laub auf, dass man denken könnte es wäre Herbst. Immer wieder bieten uns fantastische Aussichten vom Hochufer auf die tosende See.

An der Viktoriasicht können wir gut die Wassergewalten beobachten, die am Fuße des 118 m hohen Königsstuhls nagen. Es ist hier so windig,  dass es einem schnell den Fotoapparat aus der Hand schlagen kann. Dennoch sind wir uns einig das wir diese herrliche Küstenformation mit dem Boot passieren wollen.

Da die bis dahin geleisteten 14 Wanderkilometer für den völlig unterentwickelten unteren Bewegungsaparat eines Kanuten absolut ausreichend sind, nehmen wir den Bus zurück nach Glowe. Während der Fahrt bleibt Zeit für die Diskussion ob diese 14 Kilometer im Fahrtenbuch vermerkt werden können. Diesem Ansinnen erteilt Martin, der frisch gewähltem Wanderwart, eine eiskalte Abfuhr.

Wieder in Glowe empfängt uns der Hafenmeister mit der Empfehlung die Zelte abzubrechen. Bis Donnerstag schwächt sich der Wind nicht ab und danach steht die Dünung von zwei Metern noch mehrere Tage auf der Ostsee. So langsam wächst die Gewissheit die Rügenumrundung in diesem Jahr nicht zu schaffen. Aber wir wollen noch nicht aufgeben und wenigstens per Boot zurück nach Stralsund fahren. Die Fahrt über der Bodden steht daher zur Diskussion. Aber wie das genau gehen kann, schließlich müssten wir die Boote zwei Kilometer umsetzen, ist uns noch nicht klar. Aber so bietet sich zumindest eine Tagesaufgabe für morgen.



Montag, 26. Mai 2014

Rügen 2014 - Kap Arkona wir kommen

Heute werden wir die nördlichste Spitze Kap Arkonas umfahren. Die spannende Frage ist wie weit wir danach noch unsere Kayaks durch die Ostsee manövrieren wollen. Entweder wir fahren bis nach Glowe vor der Stubbenkammer oder weiter bis nach Saßnitz um die Kreidefelsen herum. Es ist die Entscheidung zwischen Urlaubsfahrt und Mammuttour. Beim Blick auf den Nonnevitzer Strand fällt das Votum einhellig für Urlaub aus. Und eine weitere wichtige Überlegung spielte eine Rolle. Nachmittags soll der Wind bereits auffrischen und erschöpft den Kampf mit den Wellen an der zugigen Ecke um die Kreidefelsen aufnehmen wäre wohl kein guter Entschluss.

So starten wir gemächlich in den Tag, rüsten irgendwann unsere Boote. Dabei werden wir vom Rettungsschwimmer des Zeltplatzes beobachtet der uns gestern abend in Empfang nahm und uns durch bezirzen der Gaststätteninhaber noch eine warme Mahlzeit verschaffte. Ob sein Engagement daher rührte, dass er ursprünglich aus Dessau stammte oder ob wir nach unserer gestrigen Tour so mitleideerregend aussahen wissen wir nicht.

Kurz nach halb elf gleiten die ersten Boote ins Wasser. Thomas und Moppie fahren einen Prijon Barracuda aus PE, Martin und Lars die Prilitevarianten des T505 bzw. des Marlin. Steffen einen Seayak Lv ebenfalls von Prijon. Allesamt seetaugliche Kayaks. Lediglich Heikos Lettmann Atlantik I ist wegen fehlender Schottung wohl nicht mehr ganz zeitgemäß. Während Lars und Moppie die handgekehlten Schullckepaddel und Martin ein tywarp-Paddel zur Kraftübertragung nutzen fahren die anderen Brača Paddel.

Bei herrlichsten Sonnenschein erreichen wir nach ca. zehn Kilometern Kap Arkona. Die Wellen dort machen Spaß. In Vitt machen wir eine erste Pause. Es präsentiert sich uns ein idyllisches Fischerdorf. Das ganze Handwerk vom Knüpfen der Netze, dem Fang des Fisches, über das Räuchern bis hin zum Verkauf spielt sich dort auf 500 Quadratmetern ab.

Wir ruhen uns am Strand aus und nehmen ein Bad. So lässt es sich aushalten.

Als wir wieder in Booten sitzen können wir die Stubbenkammer sehen. Es ist so verlockend geradewegs hinüberzufahren und das Trompeter Wiek rechts liegen zu lassen. Aber das wäre purer Leichtsinn wäre das Ufer doch im ungünstigsten Fall in jede Richtung zweieinhalb Stunden entfernt. Ein Ausweichen vor einem plötzlichen Wetterumschwung absolut unmöglich.

So fahren in zwei bis drei Kilometern Entfernung zum Ufer das Trompeter Wiek aus. Acht Kilometer vor Glowe dann ein letzter Badehalt bevor wir gegen halb sieben in den schön gelegenen Hafen von Glowe einlaufen. Der ist zwar nicht für Camper eingerichtet aber wir bekommen einen guten Platz zugewiesen und werden freundlich gedulded.

Für morgen ist starker Wind mit Sturmböen angesagt. Wir werden uns daher ein Alternativprogramm einfallen lassen müssen.

Sonntag, 25. Mai 2014

Rügen 2014 - es geht los!

Die Hochzeit im angrenzenden Vereinsheim reduziert den Erholungswert der ohnehin kurzen Nacht etwas.
Dennoch sind wir guter Dinge, denn heute geht's los. An der Promenade in Stralsund packen wir unsere Boote. Jeden Packsack am rechten Fleck zu haben und dieses und jenes noch umzusortieren dauert etwas. So setzen wir erst nach einer guten Stunde, gegen neun, den ersten Paddelschlag.

Die Ostsee präsentiert sich als freundlich und einladend. Kein Wind, herrlicher Sonnenschein und wie zur Begrüßung schwimmt eine einzelne rote Rose auf dem Wasser. So peilt Heikos Boot blumenbekränzt das Ziel Dranske an.

Da das Wetter als stabil vorhergesagt ist, können wir direkten Nordkurs fahren und brauchen den Kubitzer Bodden nicht ausfahren. So sparen wir einige Kilometer.

Bei der Navigation hilft uns die Betonnung der Fahrrinne, wenngleich wir von dieser gebührenden Abstand halten. Die Zuordnung von Uferlinien zu den Orten auf der Karte fällt uns ungeheuer schwer. Aber mit dem unerlässlichen Kompass und unseren Karten fahren wir die Idealstrecke.

Nach 10 km geht der Wind auf und erste Wellen umspielen unser Boot. Das Geschaukle macht Spaß. Wir durchfahren die Boddengewässer die teilweise so flach sind, dass das Boot zu kleben anfängt. Das bietet aber auch die Möglichkeit mal mitten auf "hoher See" auszusteigen.

Nach ausgedehnter Pause im Schapprode wird es noch drei Stunden weitergehen. Wir fahren in die offene Ostsee und lassen Hiddensee links liegen. Wir haben heute Dranske als Ziel gewählt weil man von dort aus morgen bei eventuellem starken Wind im Bodden starten kann.  Allerdings ist dort nur ein Wohnmobilstellplatz für Kanuten günstig zu erreichen. Da der Inhaber uns nicht wirklich beherbergen will, verweist er uns auf kleinere weiter nördlich gelegene Zeltplätze. Da es erst 17 Uhr ist fahren wir weiter.

Da nun das Hochufer beginnt müssen wir die vermeintlichen Zeltplätze suchen und jedes mal dazu in der Brandung anlegen. Ein schönes Training sind doch die Wellen heute noch nicht so hoch. Zu guter Letzt erreichen wir gegen acht das Regenbogencamp in Nonnevitz. 46 km zeigt das GPS. Wir sind kaputt.

Samstag, 24. Mai 2014

Rügen 2014 - Anreisetag

Es  muss irgendwann beim Blick in die Feuerschale am Bootshaus gewesen sein, als die Idee zur Rügenumrundung geboren wurde.

Nicht dass dies eine völlig neue Idee wäre, aber das Paddeln auf dem Meer hat einen ganz eigenen Reiz und die bisherigen Touren um Hiddensee, Fehmarn und in Kanada machten Lust auf Meer. Für uns Flussfahrer aber durchaus eine Herausforderung.

Gesagt getan und so hat unsere diesjährige Tour in der Himmelfahrtswoche das Ziel von Stralsund nach Stralsund zu paddeln. Dazwischen liegen 220 km Ostsee mit ihren unterschiedlichsten Küstenformen aber auch mit der Fähigkeit strahlenden Sonnenschein binnen kürzester Zeit in unbarmherzige Gewitter zu verwandeln.

Mit Moppie, Thomas K., Steffen L., Martin, Lars und Heiko hat sich wieder mal eine Truppe gefunden der die Umrundung durchaus zuzutrauen ist, der aber auch klar ist, dass es eine vollständige Umrundung zu einem vor Wochen festgelegten Termin nur geringe Aussichten auf Erfolg hat. Zu stark ist die Abhängigkeit von den Launen des Wetters.

Trotzdem steht die Idee und die Vorbereitungen laufen. Es werden mit den Karten vom Jübermann Verlag exzellente Navigationsgrundlagen beschafft und auch das sonstige Equipment "hochseetauglich" gemacht. Die Hinweise der Wanderwartin des Stralsunder Kanuclubs im Faltbootwiki sind wichtige Planungshilfen.

Wie immer steht zu Beginn die Frage: Was nehme ich mit, was ist zuviel was habe ich vergessen? Ob es dafür jemals die ultimative Checkliste geben wird? Wohl eher nicht. Aus diversen Wanderurlauben, bei denen man die Entscheidung für oder gegen ein Ausstattungsdetail "direkt" am Leibe spürt, steht aber die Erkenntnis wie wenig Dinge man wirklich braucht. Jedenfalls starten wir mit unterschiedlichem Ausstattungsumfang zu unserer Tour.

Wir werden abends gegen sieben freundlich und herzlich von den Stralsundern Sportfreunden empfangen. Ein sehr ordentlich geführter Verein mit einem herrlichen Blick auf den Strelasund. Unsere Hoffnungen die Rügenumrundung zu schaffen werden von den Stralsundern Kanuten jedoch  stark eingebremst. Zu stark wird am Dienstag und Mittwoch der Wind sein. Egal unser Entschluss steht. Wir werden fahren. Aufhören können wir immer noch. Und Sonntag und Montag soll gutes Wetter sein. Der Entschluss ist geprägt von der Einigkeit darüber bei allem Willen die Umrumdung zu schaffen eines nicht zu sein: leichtsinnig.

Unter diesen Vorsätzen verbringen wir einige schöne Stunden in der herrlichen Altstadt von Stralsund. Morgen wollen wir zeitig starten.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Kanada 2013 - 19. Tag

Tatsächlich sitzen alle 5.45 am Frühstückstisch und sieben Uhr sind die Boote gepackt und es geht los. Die ablaufende Flut unterstützt unseren Süd-Süd-West-Kurs. Es geht wieder über offene, ruhige See. Nur einmal taucht ein riesiges Containerschiff der Panamaklasse neben uns auf. Dieser ist aber auf Schleichfahrt und macht keine großen Wellen. Auf einer Strecke von 500 m durchfahren wir US-amerikanisches Gebiet. In nicht mal zwei Stunden erreichen wir mit Rum Island unsere erste, 12 km entfernte Etappe.

Das fahren mit der Flut hat sich bezahlt gemacht auch wenn unsere Boote die ganze Zeit in 11 Uhr Stellung ihr Ziel anpeilen, da die Flut leicht schräg zum Boot strömt. Nach ausgiebiger Erkundungstour auf der Insel setzen wir unsere Fahrt fort. Es wird Sport gemacht bis zum Erreichen von Sydney Island. Beim Anlanden versucht sich Moppie im Wellensurfen da ein großes Schiff das Wasser stark aufwirft.

Bevor unsere Fahrt endet verbringen wir noch einige Stunden am Strand mit Blick auf Sydney und verbrennen uns nochmal gründlich unsere ohnehin schon geröteten Körper.

Gegen drei Uhr erreichen wir Sydney. Unsere Tour auf See bei der  sich die weite Landschaft in fantastischen Farben präsentierte und deren maritimes Flair unvergesslich bleibt geht zu Ende.

Jetzt sind wir auf die Nachrichten aus der Heimat gespannt verhießen die letzten Hochwasserprognosen bei unserer Abfahrt doch nichts Gutes.

Dienstag, 4. Juni 2013

Kanada 2013 - 18. Tag

Winter Cove ist eine Bucht mit einem Durchstich zur Strait of Georgia, des großen Wassers zwischen Vancouver und Vancouver Island. Durchstich heißt hier eine Stelle von ca. 30 m Breite zu haben, die je nach Ebbe und Flut bis zu 10 kmh annehmen kann. Eigentlich kein Problem aber dahinter bilden sich viele große Strudel. Wir wählen eine Startzeit bei einer Strömung von ca. 2 Knoten in ausströmende Richtung und sind dann überwältigt von den sich bietenden Bildern. Das stille Meer spiegelt die von Ferne grüßenden schneebedeckten Berge der Pacific Coastel Mountains. Auf US-amerikanischer Seite wird ein beeindruckender und komplett weiß gezuckerter Dreineinhalbtausender ein wichtiger Bezugspunkt unserer Reise bilden. Das Licht scheint auf wunderbare Weise am Meer Tönungen anzunehmen die sonst nur romantischen Aquarellmalern vorbehalten sind.

Nach einiger Fahrt erreichen wir Gabbage Island. Dem traumhaften Strand führt die auflaufende Flut frisches Wasser zu und so kommen wir in der inzwischen sengenden Hitze zu einer willkommenen Abkühlung.
Unser noch weit entferntes Ziel ist eine Bucht von South Pender Island. Für unsere Route wählen wir viel offenes Meer, da dort am ehesten Wale zu beobachten sind. Und tatsächlich können wir ein paar Delfine oder Schweinswale sichten.

Während unserer Fährt werden wir ständig beobachtet. Mal neugierig mal argwöhnisch tauchen Robben vor oder hinter unserem Boot auf und wenn sie mal ganz unleidlich sind schlagen sie mit ihren Flossen erschreckend laut aufs Wasser.

Das letzte Stück der Tour wird zur Qual. Zum einen liegt das an unserer nur bedingten Fähigkeit sichtbare Ziele realistisch einzuschätzen. Die in 12 km sichtbare Einfahrt zur Bucht scheint heute unerreichbar. Und hier kommt die zweite kräftezehrende Komponente ins Spiel: die ablaufende Flut. Ohne es wirklich zu merken paddeln wir die ganze Zeit stroman.

Nach einer gefühlten Ozeanüberquerung erreichen wir unser Ziel. Morgen müssen wir mit der Flut planen. 5.30 Uhr wird der Wecker klingeln.

Montag, 3. Juni 2013

Kanada 2013 - 17. Tag

Die Sonne, die unser Begleiter seit dem ersten Paddelschlag ist, heizt unsere Zelte auf. Der Tag beginnt. Am Fuße der Klippen klärt eine Robbe und ein Seeotter die Frage wer das schwächere Glied in der Nahrungskette ist. Am Ende bleibt die Frage offen.

Wir starten mit einer Umrundung von Prevost Island. Zahlreiche Häuser bilden das Zentrum von Wassergrundstücken und nicht selten lässt der Bauhausstil grüßen.

Lorna vom Verleih hat uns die James Bay als idyllisches Plätzchen empfohlen, und sie hatte Recht. Dort treffen wir auf einen Parkranger der First Nations. Er erzählt uns über ein Forschungsprojekt auf der Insel und erklärt uns, das die Warnung vor irgendwelchen Viren in den Austern, die sich in dieser Bucht zu Hauf den Kalk an die Schalen wachsen lassen, Blödsinn ist und eine im Salzwasser gegarte Auster eine gute Mahlzeit darstellt. Gesagt getan und schon bald gart eine Auster im Topf. Das fertige Mahl ist interessant trifft aber nicht völlig unsere Erwartungen.

Nach der Umrundung von Prevost Island müssen wir die Fahrinne von drei sich kreuzenden Hauptrouten passieren. Alles ruhig so scheint es als plötzlich von rechts eine große Fähre auftaucht. Die Wellen sind hoch und haben eine lange Dünung. Ein etwas desorientierentierter Motorbootfahrer sprengte unsere Gruppe in zwei Teile und so paddelt Steffen etwas abseits von den anderen drei Booten. Je nach Wellenhöhe konnten die anderen Steffen mal sehen und mal nicht. Am Ende ging alles gut und wir erreichten nach einiger Zeit Winter Cove. Wie zur Begrüßung überfliegen uns in geringer Höhe zwei Weißkopfseeadlerpärchen die wir in der Folge noch oft beobachten werden.

Den Abend beschließen wir mit einem Blick von einer Klippe hinüber auf Vancouver während das Meer und der Himmel in einem fantastischen Sonnenuntergang eins werden.

Sonntag, 2. Juni 2013

Kanada 2013 - 16. Tag

Heute geht's los zur Inseltour. Wir planen mehr oder weniger präzise den Speiseplan und gehen einkaufen. Jetzt haben wir alles aber beim Verleiher dann die Überraschung, dass keine fünf Einerkajaks da sind, da zwei repariert werden müssen. So nehmen wir drei Einer-Kajaks und einen Zweierkajak. Alle Boote sind von der Firma Seaward bis auf einen Einer. Der ist in PE gefertigt und von der Firma Borèal. Es sind durchweg gute seetaugliche Kajaks und der Zweier mit seiner dritten Packluke wird sich als das Boot mit dem schier unerschöpflichen Stauraum und mit seinen fast sieben Metern Länge als das mit Abstand schnellste Boot erweisen. Selbstverständlich gehört zu jedem Boot eine entsprechende Lenzpumpe und ein Paddelfloat um sich bei Kenterung auf offener See wieder selbst ins Boot hieven zu können. Die Paddelqualität reicht von gut bis Schrott.

Unter den Augen der an der Hafenpromenade flanierenden Menschen rüsten wir unsere Boote. 14.30 Uhr geht es los.

Zunächst fahren wir die viereinhalb Kilometer von Sydney nach Sydney Island. Alle kommen mit Ihren Booten gut zurecht. Den Zweier haben Thomas und Markus besetzt. Ein größeres Schiff hat eine erste Kostprobe von Wellen auf See gegeben und jetzt wissen wir, dass wir auf guten Sitz der Spritzdecken achten sollten. Die Kanadier nennen die Insel "Little Hawaii" aber mit einem Ostseestrand verglichen muss man nicht in Euphorie verfallen.

Wir fahren gute 13 Kilometer Richtung Norden zur Insel Portland und können dort im kluftigen Küstenbereich erste Bekanntschaft mit der farbenfrohen Unterwasserwelt machen. Blaue und rote Seesterne klammern sich an den Felsen fest und leben in Einlang mit einer vielfältigen Krabben- und Muschelwelt.
Von Ornithologen auf der Insel erfahren wir, dass wir kein Feuer auf der Insel machen dürfen. Da heute aber Grillen angesagt ist fahren wir noch vier Kilometer weiter zum Beaverpoint auf Salt Spring Island.

Der Zeltplatz ist sehr schön gelegen allerdings ist das Verbringen der Boote in flutsichere Bereiche äußerst aufwendig. Im Gegensatz zur Tour am Bowron Lake werden wir relativ viel Zivilisation begegnen. So ist dieser Zeltplatz gut besucht aber auch groß. Ein Hirsch der den Campern das Essen stibitzt, trägt zur allgemeinen Belustigung bei.

Samstag, 1. Juni 2013

Kanada 2013 - 15. Tag

Heute besichtigen wir Victoria. Die Hauptstadt British Columbias ist erst 150 Jahre alt. Sie wartet mit Sonnenreichtum und und stark britischer Prägung auf. Vom Hafen strahlt das Leben in die Stadt ab. Wir durchstreifen die rechtwinkligen Straßenzüge bis runter in die Chinatown, der ältesten Kanadas. Wir geniessen das Stadtleben, essen Eis, hören Musikern zu. An einem Outdoorstore fallen wir dann auch des Shoppens anheim. Moppie kauft sich einen Ofen mit dem man in der Wildnis sein Handy aufladen kann. Ziemlich genial das Teil. Doch bevor er bezahlen kann muss er Mitglied einer Outdoorkooperative werden.

Am Abend kommen wir mit unseren Campnachbarn ins Gespräch während Moppie seine ersten, nur aus Feuer erzeugten Elektronen in seinen Handyakku presst. Geniale Erfindung!

Freitag, 31. Mai 2013

Kanada 2013 - 14. Tag

Den Tag verbringen wir in Sydney. Einer kleinen Stadt nördlich von Victoria. Sydney bildet einen guten Startpunkt für eine Kayaktour durch die Gulf Islands zwischen Vancouver und Vancouver Island. Wir besuchen zwei Kayak Verleiher und schauen uns deren Boote an. Wir haben die Wahl zwischen Booten von Current Design und Necky Booten jeweils in PE und Seaward Kayaks in GFK. Wir entscheiden uns für letztere weil die Verleiherin eine aktive Kanutin ist und jede Menge Tipps für uns hat. Wir beschließen die Tour am Sonntag zu beginnen da für Morgen regnerisches Wetter angezeigt ist.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Kanada 2013 - 13. Tag

Es geht weiter. Unser Ziel heute Vancouver Island. Unterwegs besichtigen wir die Bridal Falls. Ein schöner Wasserfall der durch seine Sprühnebel den umliegenden Wald in einen Zauberwald verwandelt. Dickes Moos hängt an den Ästen und bedeckt den Boden.

Unterwegs spielen wir Skat bis zum Abwinken.

Wir beschließen die 18 Uhr Fähre von Tsawwassen nach Sydney auf Vancouver Island zu nehmen. Die Überfahrt dauert eineinhalb Stunden und ist sehr kurzweilig da sich die Fähre durch viele Inseln schlängeln muss.

Kurz nach acht erreichen wir einen Campground 20 Kilometer nördlich von Victoria. Seeblick. Zur Begrüßung erscheint vor uns eine Robbe und vollführt Tauchübungen. Am obligatorischen Lagerfeuer welches wir mit dem reichlich vorhandenen Strandgut nähren geht der Tag zu Ende.

Mittwoch, 29. Mai 2013

Kanada 2013 - 12. Tag

Wir starten gemächlich mit ausgiebigem Frühstück in den Tag. Wir beschließen geradewegs Richtung Vancouver zu fahren. Der Highway No. 1 führt uns am Fraser River entlang durch unterschiedlichste Landschaften. Enge felsige Schluchtentäler wechseln karge Hügellandschaften ab. Wir kommen durch urwaldähnlich bewachsene Hänge ebenso wie durch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Der Fluss fließt mal langsam mal schnell und manchmal zeigt er sich als reißender Strom.

Kanada ist reich an Bodenschätzen. Immer wieder sehen Goldminen und viele Städte durch die wir fahren haben ihren Ursprung im "Goldrush". Aber auch das schwarze Gold scheint reichlich zu vorhanden zu sein. Wir sehen einen Zug unvorstellbarer Länge. Sechs Triebwagen halten die mit Kohle beladenen Wagons in Fahrt und während die Zugspitze schon hinter der einen Kurve des Tals verschwindet ist das Ende des Zuges noch nicht in Sicht. Die Strecken sind hier nicht elektrifiziert und so werden teilweise sogar zwei Container übereinander auf den Zügen transportiert. Eine weitere Eigenheit des kanadischen Verkehrs sind die Pickups. Irgendwie fahren hier alle die Fahrzeuge die fünf Leute und zwei Tonnen Ballast befördern können. Kaum eine Maschine hat unter 4.5 l Hubraum. Das ist bei einem Spritpreis von 1,10 EUR erstaunlich. Auch unser Wohnmobil gurgelt auf dieser Strecke seine 29 l kontinuierlich durch den 6.7 l- Motor mit dem Ergebnis, dass wir am Emory Creek Campground in zwei Meter Entfernung vom Fraser River und in 180 km Entfernung von Vancouver unser Nachtlager aufschlagen.

Der Campground-Manager ist ein Typ wie man sich einen kanadischen Holzfäller vorstellt - groß und stämmig aber auch total herzlich und so fachsimpeln wir über kanadisches Bier und über das Angeln. Letzte Woche zog jemand an seinem Campground einen 14 Fuß langen Stör an Land und er erzählt uns, dass rote und grüne Köder die fängigsten sind. Für unsere 20 Dollar Angeln hat er allerdings nur ein mitleidiges Lächeln übrig.

Gerade als Markus das Feuer anzünden will bietet uns ein Päarchen die Glut ihrer Feuerstelle an, da das Holz feucht und schwer entflammbar ist. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass sie auf dem Weg von Nordcalifornien nach Alaska zu ihren Eltern sind. Dort gab es gerade Neuschnee.

Den Tag beschließen wir mit Forrest Gump. Immer wieder schön.

Dienstag, 28. Mai 2013

Kanada 2013 - 11. Tag

Eigentlich wollten wir 8 Uhr starten doch unablässiger Starkregen lässt uns länger schlafen. So wird der erste Paddelschlag erst kurz vor zwölf ins Wasser gesetzt. Die Regenjacken können wir aber bald ausziehen und ein kräftiger Südwind treibt uns unserem Ziel entgegen.

Im Bowron River fängt Steffen noch einen Fisch den wir nicht kennen. Steffen schenkt ihm großherzig die Freiheit.

Auf dem Bowron Lake improvisieren wir aus unseren Kanus und unserem Tarp ein Segelschiff mit dem wir einige Kilometer gut zurücklegen. Die Sonne lacht bei unserer Ankunft. 120 km kanadischer Wildnis mit unvergesslichen Erlebnissen und großen Anstrengungen liegen hinter uns.

Steffen treibt unser Wohnmobil zügig nach Quesnel. Unterwegs sehen wir einen stattlichen Schwarzbären, der uns in der Wildnis dankenswerterweise in Ruhe gelassen hat. Wir schaffen es noch rechtzeitig in einen Liquor Store und können das sechs Tage lang entbehrte Bier wieder unser Eigen nennen. Wir schlagen unser Quartier erneut auf dem Campingplatz am Dragonlake auf. Es ist schön sich sich mit warmen Wasser die Zähne putzen zu können und - wir haben WLAN! Bayern hat gewonnen.

Montag, 27. Mai 2013

Kanada 2013 - 10. Tag

Einige von uns nutzten am Vorabend den Unna-Lake der, weil flach, wesentlich wärmer ist als die anderen Bergseen, um zu "duschen". So starten wir gut erfrischt in den Tag. Erstes Ziel sind die Cariboo Falls. Mit 24 m ein imposanter Wasserfall an dessen steilen und glitschigen Ufern jeder Schritt überlegt sein sollte. Eigentlich sind die Trails zu den Falls gesperrt da sie durch komplett toten Wald führen. Und tatsächlich möchte man diesen Wald nicht bei stärkerem Wind oder gar Sturm besuchen. Es knarzt schon bei der heute sanft wehenden Brise verdächtig.

Wir fahren den Babcook River bis zum selbigen See. Wir angeln viel und genießen das herrliche Wetter. Der Wind steht günstig und treibt uns durch Bilderbuchlandschaften wie man sie wohl an nur wenigen Orten findet und so scheint uns der selbstbewusste Wahlspruch der Region Britisch Columbia "The best place on earth" gar nicht mal so daneben gegriffen. Angesichts dieses Slogans müssen wir über "das Land der Frühaufsteher" herzhaft lachen.

Beim Absolvieren der letzten Portage des gesamten Circuits kommt fast etwas Wehmut auf. Schließlich haben wir unsere Boote fast 11 km durch steile, flache, holprige und manchmal auch gut ausgebaute Trails gewuchtet.

Mit unserem ersten leichten Sonnenbrand erreichen wir unsere letzte Station. Wie erwartet sind auch hier die Holzwickeder Sportfreunde wieder vor uns da. So verbringen wir einen schönen gemeinsamen letzten Abend am Ufer des Spectacle Lake. Der Tag geht mit einem wunderschönen Abendrot inklusive Regenbogen zu Ende.

Sonntag, 26. Mai 2013

Kanada 2013 - 9. Tag

Die Nacht blieb Bärenfrei, es regnet nicht und so starten wir gut gelaunt in den Tag. Zunächst haben wir den Cariboo River zu bezwingen an dem die Beiden mit dem Helikopter geretteten Mädels gescheitert sind. Durch das viele Totholz im Fluss kann man leicht an ein Hindernis geraten und Kentern. Der Fluss ist mit der gut gefüllten Saale im Bereich unterhalb von Bad Kösen vergleichbar. Zwei zerschellte Boote unseres Verleihers liegen gleich am Anfang der Passage und mahnen zur Vorsicht.

Der Cariboo River und der anschließende Lanezee Lake sind einfach nur Kanada pur. Schneebedeckte Bergkuppen, Wald und kristallklare Seen. Am Ende des Sees fahren wir im freien Oberkörper da die Sonne die kalte Luft sehr schnell erhitzt.

Im Sandy Lake hat Steffen einen ordentlichen Fisch an der Angel verliert ihn aber leider während des Drills.

Wir erreichen den Unna Lake. An dessen schmaler Einfahrt liegt rechts eine stattliche Elchkuh und sonnt sich. Thomas, Moppie und Heiko inspizieren links eine Campingstelle. Detlef von den Holzwickedern, die ebenfalls eine Campsite am Unna Lake gewählt haben, will auch ein paar Bilder vom Elch schießen. Jetzt wird es der staatlichen Dame zu bunt. Ruckzuck wechselt die Dame auf das linke, auf unser Ufer. Detlef ruft uns noch zu sie habe ein Junges dabei, als sie uns schon entschlossen entgegentritt um ihr Revier und ihr Junges zu verteidigen. Wir hechten alle drei irgendwie ins Boot und schaffen es rechtzeitig vom Ufer weg. Die Elchkuh, jetzt in Fahrt, versucht Detlef im Kayak in die Flucht zu schlagen. Der kann auf den See flüchten. Die Kuh und ihr Junges traben flott auf den Campingplatz von den beiden anderen Holzwickedern zu die das Weite suchen. Einer von ihnen sucht sogar Zuflucht im Barencontainer. Jetzt hat den Weg in die Wälder am Unna Lake frei und verschwindet im Dickicht. Wir bleiben zurück mit dieser Geschichte die am Feuer noch aus allen Blickwinkeln betrachtet wird.

Samstag, 25. Mai 2013

Kanada 2013 - 8. Tag

Der Himmel sieht noch nicht wesentlich besser aus und als wir ins Boot steigen setzt auch schon wieder der gleiche konstante und ergiebige Landregen ein den wir schon am Vortag genießen konnten. Dazu weht ein kühler Wind. Der Spaß hält sich in Grenzen. Wir erreichen das Ende des Isaac Lakes und erhalten durch einige anspruchsvolle Abschnitte des Isaac Rivers eine willkommene und spannende Ablenkung, künden doch geborstene Bootskörper von missglückten Versuchen den Fluss zu bezwingen. Die Passage ist mit den vollgepackten Kanadiern anspruchsvoll aber nicht unlösbar und so erreichen wir unterhalb der Isaac Falls, einem vierzehn Meter hohen Wasserfall, den nächsten Trail.

Nach weiterer Fahrt steuern wir die Hütte am McLeary Lake an. Diese ist schon besetzt durch Andreas, Detlef und Rainer vom Kanuverein Holzwickede. Kurzes Hallo und die Feststellung das die Hütte gut, ja fast saunaähnlich geheizt ist. Genau das Richtige für unsere durchnässten und durchfrorenen Glieder. Drei von uns können und der Hütte mit schlafen zwei draußen im Zelt. Da sich das Wetter beruhigt hat Wagen Steffen und Markus eine kleine Angeltour. Nach erfolgloser Rückkehr kann Heiko berichten ziemlich genau an der Hütte einen Forellenschwarm beobachtet zu haben. Ein Wurf und eine prachtvolle Forelle hängt am Haken. Obwohl das Abendbrot schon durch ist wird beschlossen diese heute noch zu essen. Heiko schlachtet die Forelle draußen auf dem See um die Eingeweide nicht in Hüttennähe zu haben. Alle Beteiligten Gegenstände werden gründlich gereinigt und die Sachen in den Heiko geschlachtet hat im Barensafe verstaut. Aber der Ganze Aufwand lohnt denn die auf offenen Feuer in Folie gegarte Forelle schmeckt sensationell.

Nebenbeibemerkt haben wir heute das Championsleaguefinale verpasst und bekommen auch nicht raus wer gewonnen hat.

Freitag, 24. Mai 2013

Kanada 2013 - 7. Tag

Der Tag startet mit Pancakes, Regen und erneut mit einem recht anspruchsvollen Trail.  Alles geht gut und wir erreichen mit dem Isaac Lake den größten See des Bowron Lake Circuit. Es sähe hier wahrscheinlich wirklich schön aus, wenn die Wolken uns nicht die Sicht zum Himmel versperren würden und durch ihr konstantes Wasserlassen unsere Regenkleidung bis auf das äußerste beanspruchen würden. Wir beschließen daher schnellstmöglich die nächste Hütte aufzusuchen und auf das Campen vorerst zu verzichten. Wir fahren durch viel Wald und müssen auch hier feststellen, dass große Teile der Wälder krank sind und zum Teil schon abgestorben sind. Der Grund ist ein Borkenkäfer, dem nicht mehr beizukommen ist. Das sieht zum Teil schon recht gespenstisch aus.

Als wir die Hütte erreichen, bietet sie uns Schutz vor dem Regen und ist auch ein sehr idyllisches Plätzchen inklusive fließend Wasser in Form eines Schmelzwasserbaches. Das Wasser darf man hier übrigens nicht trinken, da es das Bibervirus enthalten kann. Da wir allerdings nicht glauben können, das dieses frische Schmelzwasser kontaminiert sein soll Wagen wir es und trinken davon. Mal sehen wie es uns bekommt. Die Zeit vergeht mit Essen kochen, Holz hacken und Skat spielen. Nachts besuchen uns Erdhörnchen die glauben zwischen unseren Sachen etwas Fressbares zu finden. All unsere Lebensmittel sind aber in den extra bereitgestellten bärensicheren Containern verstaut.